Bessere Bildkomposition – drei einfache Tricks

Nach dem ich mich mal wieder bei Flickr umgeschaut habe, sind mir einige Bilder aufgefallen, die vom Motiv oder der Idee sehr viel Potenzial hatten aber trotzdem irgendwie nicht das transportiert haben was sie hätten transportieren können.

Ich denke, Es gibt eine beachtliche Menge von Gelegenheits-Fotografen, die wirklich sehr kreative Ideen haben, es aber leider nicht ganz hin bekommen, diese in das Bild zu bringen.
Ich rede jetzt nicht von enthusiastische Hobbyfotografen, sondern eher von den ganz normalen Kompaktkamera Benutzern. Leute, die gerne Schnappschüsse, Urlaubsfotos und Fotos von der Familie und Freunden machen. Also im Grunde keinen wirklichen künstlerischen Anspruch haben, sondern einfach nur ein paar schöne Erinnerungsstücke haben möchten.
Man kann allerdings auch mit einer kompakt-oder Handykamera durchaus anspruchsvolle Fotos machen, wenn man sich an einige einfache Regeln der Gestaltungslehre hält.

Die drittel Regel

Bei der Betrachtung von Fotos, die trotz eines eher langweiligen Motivs doch irgendwie interessant sind wird man feststellen, dass das Motiv an sich nicht in der Bildmitte zu finden ist, sondern zum linken oder rechten Bildrand hin gerückt.
Unterteilt man das Bild in drei gleich breite Spalten wird man feststellen, dass der Mittelpunkt des Motivs mehr oder weniger genau auf einer dieser beiden Linie liegt.
Legt man jetzt noch zwei horizontale Linien über das Bild und teilt es damit in drei gleich große Zeilen ist es ebenfalls sehr wahrscheinlich dass das Motiv seinen Mittelpunkt ebenfalls sehr nahe bei einer der die horizontalen Linien hat.
Diese Art der Motivpositionierung nennt sich auch die drittel Regel, bei der das Bild gedanklich in Drittel aufgeteilt wird, und das Motiv so nahe wie möglich an einen der Schnittpunkte herangebracht wird.

Diese Regel kommt nicht von ungefähr, da sie ein Näherungswert zum wohl bekannten goldenen Schnitt ist.

Die Horizontlinie

Ein Foto mit einem Horizont sollte diesen auf jede Fall parallel zum oberen und unteren Bildrand haben, oder bewusst in einem völlig absurden Winkel zu den Bildrändern sein. Ein nur leicht geneigter oder abschüssiger Horizont wird den Betrachter unweigerlich sofort ins Auge fallen und seine Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Motiv ablenken.
Das hängt zum Teil damit zusammen, dass sich unsere optische Wahrnehmung eines geraden Horizonts bedient um sich zu orientieren. Wenn wir nun also einen geneigten Horizont sehen, der Rest unserer Wahrnehmung uns aber mitteilt, dass wir uns nicht in einer ähnlichen Schräglage befinden, ist es in der Regel ein Alarmsignal. Daher wird der Betrachter entweder versuchen seine Sichtlinie in Einklang mit dem Horizont auf dem Bild zu bringen oder wird, statt auf das Bild, lieber aus dem Fenster sehen.

Negativer Raum

Ein Taschenmonument

Ein Beispiel für negativen Raum

in der Gestaltungslehre versteht man unter negativem Raum… Eigentlich genau das… leere Fläche oder leerer Raum. Genau genommen ist es das Verhältnis zwischen der Fläche die das eigentliche Motiv einnimmt und der Fläche in der wenig oder gar nichts zu sehen ist.
Als Beispiel könnte man hier eines der bekannten Fotos nehmen, auf dem nichts weiter zu sehen ist als ein Stück Grasland auf dem ein Baum steht der in einen blauen Himmel ragt. Bei den guten Bildern dieser Art liegt der Baumstamm übrigens genau auf einer der vertikalen Drittellinien und der Horizont genau auf der unteren Drittellinie.
Der Baum, der in diesem Fall das Motiv darstellt, ist von negativem Raum umgeben. Durch das Fehlen anderer Objekte wird die von Aufmerksamkeit des Betrachters automatisch auf das Motiv gelenkt. Wodurch es im Bezugsrahmen des Bildes an Bedeutung und Interesse gewinnt. Auf diese Art und Weise kann man aus einem eher unspektakulären Motiv ein durchaus interessant das Foto herausarbeiten.

Fazit

Mit diesen drei einfachen Regeln, die absolut nichts mit der Qualität der Kamera zu tun haben, kann man einen vielleicht eher langweiligen Schnappschuss in den Bereich bemerkenswert und ästhetisch bringen. Natürlich ist das keine Garantie und es wird gewiss nicht immer gelingen, aber die Plausibilität wird sich von „Glück gehabt“ stark in Richtung „recht wahrscheinlich“ verschieben.
Vielleicht der ein oder andere nun sogar feststellen, dass er eigentlich ein recht das Auge für das Motiv hat und ihm einfach nur die richtige Technik gefehlt hat.

16 Bemerkungen zu “Bessere Bildkomposition – drei einfache Tricks

  1. Ich zähle mich auch unter die Gruppe „Gelegenheitsfotografen“. Ob mit Handy oder Kompaktkamera… ich habe immer etwas dabei um zu fotografieren und wenn mir ein bestimmtes (besonderes) Bild ins Auge sticht, fotografiere ich los. Aber deine Artikel sind mir wirklich eine Hilfe! Auch tolle Bilder sind hier zu finden! Ich danke dir und werde deine Tipps versuchen anzuwenden 😉

  2. Ich fotografiere auch gerne. Deine Tipps waren mir sehr hilfreich. Dankeschön. Jetzt überleg ich mir zweimal wie ich ein Bild fotografiere und es dabei richtig in Szene setzte.

  3. Ich fotografiere fast alles was ich sehe und leider stell ich erst später fest, dass ich über die Hälfte der Bilder löschen muss, weil die Komposition der Fotos nicht stimmig ist. Danke für deine Ratschläge! Werd sie demnächst mal berücksichtigen. Dann muss ich hoffentlich nicht wieder soviele Bilder löschen.

  4. Hey Marc, ich finde das gut, dass du das Thema ansprichst. Viele Hobbyfotografen vergessen das nämlich oder wissen gar nicht, dass es so eine Regel gibt. Sowas wurde ja nicht umsonst erfunden ode eher gesagt berechnet 🙂

  5. In meiner Freizeit fotografiere ich auch sehr gerne. Habe mir aber nie so wirklich Gedanken darüber gemacht. Danke für die Tipps! Interessanter Blog!

  6. Ich bin auch nicht gerade ein Experte im Fotografieren und die 3 Tricks sind dann auch neu für mich. Werde mal ausprobieren ob Ich die Qualität meiner Photos damit verbessern kann. Darum auch von mir: Danke für die Tricks.

  7. Vielen Dank für die Tipps. Bin auch eher in die Sparte Schnappschussfotografen einzuordnen, und mache mir über das Motiv schon eher Gedanken als um Bildkomposition oder so. Aber vielleicht kann man beides ja auch verbinden, ohne gleich eine Wissenschaft draus zu machen. Muss ich mal probieren!

  8. Das hast du sehr verständlich erklärt und ist sicher hilfreich für viele Fotografieanfänger und auch fortgeschrittene. Da gibt es ja auch eine ganze Menge die mit ihren teuren DSLRs technisch einwandfreie Bilder schiessen aber von Bildkomposition noch nichts gehört haben.

    Ich denke mit diesem Beitrag hast du einigen zu besseren Bildern verholfen und das finde ich gut 🙂

  9. Sehr schöne Zusammenstellung! Habe bisher auch einfach drauflosfotografiert, ohne auf irgendwelche Positionierungsmodelle oder sonstwas zu achten. Ungefähr so sahen die meisten Bilder dann auch aus 😉

  10. Ich bin eher durch Zufall über Deine Seite gestolpert (Google machts möglich), möchte mich aber auch für Deine Tips bedanken. Echt klasse und einfach umzusetzen!

  11. Das mit den Dritteln war doch Goldener Schnitt, oder? Aber negativen Raum kannte ich noch nicht. aber das Beispielbild macht sehr deutlich, was gemeint ist. 🙂

  12. Drei einfache Hinweise mit einer grossen Wirkung. Vor allem schön auf den Punkt gebracht. Mein Vater wollte mir glaub neulich was ähnliches erzählen, hat es aber nicht ganz so gut hinbekommen 🙂

  13. Ich bin ja da bis jetzt eher nicht wirklich über „minimales/grobes Pfuscherhandwerk“ hinausgekommen, aber sinnvolle Tipps verleiten mich dann doch immer wieder zum Probieren – danke dir! 🙂 Jetzt im (Spät)Herbst könnte es durchaus wieder paar gute Motive geben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.